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ReloxLufttechnik
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Vom Ferienhaus in den Technologiepark.

Schütting-Sonderpreisträger startete in Ganderkesee

Amerikanische Firmengeschichten beginnen in Garagen. REINLUFT RELOX, der Träger des Umweltsonderpreises “Innovation und Ökologie” des Schütting-Preises 2000, startete vor zehn Jahren in einem Ferienhaus. Im August 1998 zog das Unternehmen von Ganderkesee nach Bremen.

Im Frühjahr packen die Mitarbeiter schon wieder die Umzugskartons. Dann soll der Neubau im Technologiepark bezugsfertig sein. “Es war eine lange Suche nach dem richtigen Standort”, erklärt Geschäftsführer Siegfried Woitkowitz im Gespräch mit unserer Zeitung.

Er habe sich zunächst auch im Umland umgesehen. Doch bei einem Geschäftsbesuch im Technologiepark sei die Entscheidung gefallen. “Von der Adresse war ich emotional überzeugt.” Als Alternative habe noch des Gebiet am Flughafen zur Diskussion gestanden. “das sind die beiden attraktivsten Gewerbegebiete in der Region” , sagt Woitkowitz überzeugt.

Mit dem Wechsel an die Weser hat sich für das junge Unternehmen ein besonderes Problem gelöst. “Wir können endlich Besucher empfangen.” Das Ferienhaus sei für Kunden und Lieferanten nicht gerade als vertrauensfördernd einzustufen gewesen. “Und Glaubwürdigkeit ist das Ein und Alles für ein neues Unternehmen”, meint Woitkowitz. REINLUFT RELOX hat sich auf Anlagen zur Abluftreinigung in der Industrie spezialisiert. Mit einem besonderen Verfahren: der katalytischen Nachverbrennung. Hinter dem komplizierten Begriff stehen Anlagen, die mit weniger Energieeinsatz genauso viele Schadstoffe aus der Abluft bannen wie herkömmliche Anlagen. Denn die üblichen Systeme benötigen Temperaturen zwischen 700 und 780 Grad. Bei den katalytischen reichen bereits 370 Grad.

Haupteinsatzgebiet sind Druckereien, Lackierereien und die chemische Industrie. Denn die von den Bremern konzipierten Anlagen bekämpfen sogenannte flüchtige organische Verbindungen. Bestes Beispiel seien die Lösemittel, erläutert Woitkowitz, jedem Hobbyanstreicher durch den unangenehmen Geruch vertraut.

REINLUFT RELOX entwickelt die Anlagen, baut sie aber nicht. “Damit beauftragen wir verschiedene Unternehmen.” Denn die Macher teilen die Anlagen in mehrere Einheiten auf, deren Bau nach einzelnen Ausschreibungen vergeben werde. In diesem Jahr rechnet Woitkowitz mit einem Umsatz von rund 2,5 Millionen Euro. “Das haben wir an Aufträgen in der Tasche”, berichtet er. Wer dahinter eine große Belegschaft vermutet, täuscht sich: Das Unternehmen hat zehn Mitarbeiter.

In Deutschland stehen Anlagen des Bremer Hauses in Köln, Stralsund und im bayrischen Rosenheim. Aber auch ins Ausland hat das Unternehmen bereits geliefert. Zu den Standorten zählen die englische Stadt Ipswich, Deventer in den Niederlanden und Prag. “Bisher waren unsere Auslandsaktivitäten aber eher Zufall”, schränkt Woitkowitz ein. Das soll sich ändern. “Wir wollen jetzt selbst im Ausland anbieten.” Im Terminkalender stehen bereits die Metropolen London und Madrid.

Ein Auftragsvolumen von rund 150 Millionen Euro besteht in Europa für entsprechende Anlagen, schätzt Woitkowitz. Ein Markt, der weitere Wachstumschancen habe. Denn aus Brüssel kommt eine neue Verordnung zur Luftreinhaltung. Sie sei in einigen Teilen strenger als das bisherige Bundesemissionsschutzgesetz: “Die Schwellenwerte werden gesenkt.”

Künftig verlange Brüssel beispielsweise ab einer Jahresproduktion von fünf Tonnen Lack die Einhaltung bestimmter Werte. “Das gelingt aber nur mit einer Reinigung der Abluft”, erklärt Woitkowitz. Dies bedeute für die größeren unter den kleinen Betrieben zusätzliche Investitionen. Da wundert es nicht, dass sich der Geschäftsführer eine Verdoppelung des Umsatzes auf seine Fahnen geschrieben hat. “Wie schnell das passiert, müssen wir aber abwarten.”

Wer Woitkowitz im Gespräch erlebt, hat nicht das Gefühl, dass der Mann schnell zu überraschen ist. Das gelang der Jury zum Sonderpreis “Innovation und Ökologie” des Schütting-Preises der Handelskammer Bremen. Der von der Bremer Naturschutz-Stiftung ausgeschriebene Preis wurde in diesem Jahr das erste Mal vergeben. “Ich war platt”, beschreibt Woitkowitz seine erste Reaktion.

“Als Nichtbremer hat man seine Vorurteile gegen den Bremer Klüngel.” Doch die haben sich nicht bestätigt. “In der Jury saß sogar unser einziger Wettbewerber aus Bremen”, erklärt er immer noch erstaunt. Und zu den Konkurrenten um die Auszeichnung habe immerhin das renommierte Entsorgungsunternehmen Nehlsen-Plump gezählt. Deren Leistung würdigte die Jury mit einer Anerkennung.

Friedo Berninghausen, der Vorsitzende der Bremer Naturschutz-Stiftung, begründete die Auswahl überzeugend: “Der Preis ging mit REINLUFT RELOX an ein Jungunternehmen, um es stark werden zu lassen.

"Entscheidend ist, was am Ende rauskommt." Aus dem Schornstein zieht die gereinigte Luft ab.

Vom Redakteur Michael Denk. Aus dem Weser-Kurier, Bremen, 25.10.2000, S. 25