Reloxianer kümmern sich um reine Luft
Kleine Firma mit katalytischer Abgasreinigunstechnik ganz groß / Umzug in Bremer Technologiepark Bremen. Die Firma hat eine provisorische Unterkunft am Holzhafen gefunden - im ehemaligen Seearbeitsamt, wo früher die Leute Schlange standen, um anzuheuern. Der Chef sitzt noch vor einer Holzplatte statt festem Schreibtisch. Im Treppenhaus hängen Farbbilder von diversen Anlagen, die die Spezialisten installierten, damit es nicht gar so trostlos ausschaut.
Doch warten lohnt sich. Im Frühjahr nächsten Jahres wird die REINLUFT RELOX in den Technolgiepark umziehen. Dort entsteht für 2,5 Millionen Euro ein modernes Bürogebäude mit Blockheizkraftwerk auf Rapsölbasis und elektromagnetischem Sonnenschutz. Das futuristisch angehauchte Domizil passt zu dem kleinen Unternehmen, das sich in der High-Tech-Welt tummelt und auf produktintegrierte Abluftreinigung konzentriert. 1992 fing alles an. Siegfried Woitkowitz arbeitete in Deutschland als Vertriebsleiter für den amerikanischen Anlagenbauer Grace. Besonders harmonisch lief die Beziehung mit der Zentrale schon lange nicht mehr. “Das ewige Theater mit denen”, stöhnte der Manager. Als der Konzern versuchte, ihn in die USA zu locken und von seinen Kunden zu isolieren, zog der 47-Jährige einen Schlussstrich. In seinem Ferienhaus in Ganderkesee machte er sich selbständig. Er erinnert sich noch gut an die anfängliche Durststrecke: “1992 beliefen sich unsere Einnahmen auf Null.”
Doch der Diplom-Physiker verfügte über wertvolles Kapital. Das waren zunächst weniger Geld, auch nicht nur sein technischer Verstand, sondern detaillierte Branchenkenntnisse und enge Kontakte zu potenziellen Kunden. Inzwischen ist eine “kleine Flut” über die Firma hereingebrochen. Das katalytische Abgasreinigungsverfahren von RELOX gewinnt im mittelständischen Gewerbe derzeit immer größere Marktanteile. Gerade sicherte sich die Gesellschaft fünf Aufträge und drei weitere Absichtserklärungen im Gesamtwert von 1,6 Millionen Euro. Woitkowitz und seine sieben Vollkräfte erwarten für 2000 einen Umsatz von 2,5 Millionen Euro. Das ungläubige Staunen darüber steht dem Geschäftsführer ins Gesicht geschrieben. Vor zwei Jahren lag er nämlich erst bei der Hälfte. Was den Umsatz pro Kopf betrifft, bewegt sich Relox nun allmählich in der Spitzengruppe.
Beraten, planen, realisieren - so lautet das Motto der “Reloxianer”. Auf mechanische Fertigung verzichtet man wohlweislich, um nicht in Auslastungszwang zu geraten. Stattdessen pflegt man seine Flexibilität und Innovationskraft. “Die Planung von Abluftreinigungsanlagen als fächerübergreifende verfahrenstechnische Aufgabe verlangt ein fundiertes Wissen in Physik, Chemie, physikalischer Chemie und absolutes Können im Maschinen- und Anlagenbau”, erklärt Woitkowitz. Das Zentrum bildet stets ein Katalysator, der wie in einem Auto funktioniert - nur in größerem Umfang und für kompliziertere Fälle. Abluftreinigungssysteme von RELOX stellen eine Alternative zu den traditionellen, nachsorgenden Lösungen am Ende eines Produktionsprozesses dar. Sie seien, so Woitkowitz, nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch von Vorteil. Aufgrund einer vorherigen Risikoanalyse wird für jede Anlage ein Sicherheitskonzept entwickelt, um Schäden möglichst auszuschließen. Die kompakte Bauweise kommt kostenbewussten Betrieben ebenso zugute wie der sehr geringe Energieverbrauch. Die Abnehmer von Relox stammen heute vorwiegend aus der Lackier- und Verpackungsdruckbranche.
Den neuen Standort Bremen wählte der Norddeutsche Woitkowitz vor allem aus emotionalen Gründe. Eigentlich wäre Frankfurt der ideale Ausgangspunkt für seine Aktivitäten gewesen. Die Ansiedlungsbemühungen in der Hansestadt kosteten ihn manche Nerven. Die Anläufe bei den Wirtschaftförderern verliefen im Sande. Als er dann persönlich Kontakt zum Wirtschaftssenator geknüpft hatte, kam der Apparat endlich auf Hochtouren.
Vom Redakteur Horst Monsees. Aus dem Weser-Kurier, Bremen, 04.08.2000, S.19
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